Ein Thema, das gelebt werden muss

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Keine Unternehmensphilosophie, kein Branding kommt mehr ohne dieses Label aus. Die Benutzung des Begriffs wirkt mittlerweile oft inflationär, doch es folgen nicht immer Taten. „Greenwashing“ nennt man diese Strategie, Nachhaltigkeit zu predigen, aber nicht umzusetzen.

Dass der Begriff fast omnipräsent ist, ist erstmal nichts Schlechtes, denn es steigert die Aufmerksamkeit und Wahrnehmung des Themas in der Öffentlichkeit. Um wirklich einen Unterschied zu machen, müssen wir allerdings auch entsprechend handeln. Da bildet die Immobilienbranche keine Ausnahme – ganz im Gegenteil.

Immobilien und Klima – der Status Quo

Neue Gebäude und Infrastruktur zu bauen, geht immer zunächst mit Ressourcenverbrauch einher. 2018 verbrauchte die Baubranche laut dem Umweltbundesamt mehr als 70% aller abgebauten Rohstoffe in Deutschland. Bei manchen Materialien, wie zum Beispiel Kiesen, Sanden und gebrochenen Natursteinen, sind es sogar 95%. Zusätzlich zu diesen an sich schon immensen Zahlen geht der Abbau mit einer Zerstörung der Oberfläche einher: 2019 wurden täglich 3,9 Hektar Fläche für den Abbau von Baumineralien beansprucht (Umweltbundesamt, 2022). Auch im Meer werden Rohstoffe abgebaut, was zu einer Verkleinerung der Landmengen und einer langfristigen Schädigung des Meeresbodens führen kann.

Die Rohstoffe an sich sind allerdings noch keine Baumaterialien. Bis tatsächlich gebaut werden kann, folgen weitere Schritte, die ihren Preis haben. Die Herstellung von Zement, dem Hauptbestandteil von Beton, verursacht zum Beispiel enorme Energiekosten – laut WWF war sie 2021 für 5% des globalen Treibhausgasausstoßes verantwortlich (WWF, 2021). Der Transport der Baustoffe zu den Baustellen benötigt weitere Ressourcen und auch Zeit.

Am Ende der Kette steht dann der Bau selbst. Baumaschinen verbrauchen Benzin, Beleuchtung von Baustellen bringt oft immensen Stromverbrauch mit sich, doch vor allem bedeutet der Bau von etwas Neuem auch immer, dass etwas Altes wegfällt. Auf den Flächen, auf denen neue Gebäude entstehen, ist vorher nicht nichts, oft befinden sich dort Wiesen oder andere Grünflächen. Durch Bebauung gehen diese verloren und der Boden wird versiegelt. In Deutschland ist die Fläche für Siedlung und Verkehr von 2016 bis 2019 jeden Tag im Schnitt um 52 Hektar angewachsen (BMUV, 2022).

Lösungsstrategien erkennen und nutzen

Angesichts dieser Fakten ist es nicht übertrieben zu sagen, dass die Bau- und Immobilienbranche einen enormen Einfluss auf unsere Umwelt hat. Ehrliches Bestreben, nachhaltiger zu werden, kann deshalb gerade hier sehr viel bewirken. Doch die Nachfrage, vor allem nach Wohnraum, wächst –   welche Lösungen gibt es da überhaupt?

Eine Strategie ist, bestehende Gebäude nicht abzureißen und an ihrer Stelle neu zu bauen, sondern sie zu sanieren. Natürlich werden auch bei diesen Arbeiten Energie und Rohstoffe verbraucht – die Bausubstanz kann jedoch erhalten werden, was viel im Bereich der Herstellung von Baumaterialien einspart. Ein zusätzlicher, positiver Effekt ist, dass alte Gebäude, die das Stadtbild prägen und geschichtliche Zeugnisse sind, erhalten bleiben.

Ein anderer wichtiger Faktor, bei Sanierungen sowie bei Neubauten, ist die Nutzung von alternativen Rohstoffen. Hierzu zählt zum Beispiel recycelter Beton, für den weniger Sand und Kies benötigt wird. Das Umweltbundesamt schätzt, dass durch die Aufbereitung und Nutzung von recycelten Materialien, die zum Beispiel beim Abriss alter Gebäude anfallen, bis 2050 mehr als 30% an Sand und Kies eingespart werden können.

Neben alternativen Rohstoffen gibt es auch klassische Materialien, wie zum Beispiel Lehm und Holz, die zum Bauen und Sanieren genutzt werden können. Besonders wenn sie aus der Region kommen und die Transportwege somit kurz sind, ist die Verwendung sehr energiesparend. Holz bringt zudem noch den großen Vorteil mit sich, dass Bäume während ihres Wachstums CO² aus der Luft aufnehmen und Photosynthese betreiben.

Außerdem können diese Materialien leicht und umweltschonend entsorgt oder weitergenutzt werden, wenn ein Gebäude abgerissen wird. Somit entsteht ein Ressourcenkreislauf, da die Rohstoffe nicht ver-, sondern nur gebraucht werden. In diesem Sinne sind Gebäude Lagerplätze für Materialien, die bei Abriss dem nächsten Nutzen zugeführt werden können. Cradle-to-Cradle (C2C) nennt man diese Bauart, die ihren Fokus auf kreislauffähige und gesunde Architektur legt.

Was viele nicht wissen: Holz eignet sich auch als Dämmmaterial, und ist somit eng mit einer anderen Strategie zur Nachhaltigkeit verbunden, nämlich einer hohen Energieeffizienz bei Gebäuden. Dabei geht es nicht nur um den Verbrauch, der durch das Gebäude entsteht, sondern auch um die Generierung von Energie, zum Beispiel durch Solarzellen, Fassaden- und Dachbegrünung oder die Nutzung von geothermischer Wärme.

Zu guter Letzt sollte nicht vergessen werden, dass ein Gebäude nie in einem isolierten Raum steht. Es hat Einfluss auf seine Umwelt, und kann unterschiedliche Auswirkungen haben. Glasfassaden mögen optisch ansprechend sein, reflektieren jedoch Sonnenlicht und heizen damit die Umgebung auf. Parkdecks sind praktisch, versiegeln jedoch zusätzliche Bodenfläche und speichern Hitze weit länger als Grünflächen. Und eine gute Anbindung ist nicht nur ein nettes Gimmick, sondern fördert die Nutzung umweltschonender Mobilitätskonzepte.

Mittlerweile gibt es viele Konzepte, wie man die Effekte von Gebäuden auf die Umwelt ins Positive drehen kann, doch es liegt an uns, sie auch konsequent zu verfolgen.

Dabei sind diese Konzepte gar nicht neu. Die sogenannte „grüne Architektur“, also die Begrünung von Fassaden, wurde beispielsweise schon im Mittelalter praktiziert. Klöster nutzten ihre Mauern zum Anbau von Wein, Hopfen, Rosen und anderen Pflanzen, deren Blätter die Gebäude kühl und ruhig und die Innenhöfe schattig hielten. Das Klima der Städte profitiert nachweislich von mehr Grün; außerdem sind solche vertikalen Grünflächen auch eigene Lebensräume – an begrünten Fassaden halten sich zwei- bis fünfmal mehr Vögel auf als an unbegrünten, und Insekten nutzen die Pflanzen zum Überwintern oder für Nahrungssuche (NABU, 2022).

Ansetzen, wo es wirklich wirkt

Die Arbeit an und mit Gebäuden bietet also viele Möglichkeiten, Nachhaltigkeit und Umweltschutz aktiv umzusetzen. Bei Stadtmarken wie auch in der kompletten Landmarkenfamilie versuchen wir, diese Möglichkeiten zu nutzen.

Grundsätzlich ziehen wir es immer vor, Gebäude zu sanieren und zu revitalisieren, anstatt sie abzureißen. Auf diesem Wege werden Ressourcen geschont, und es entstehen ganz besondere Stadtmarken. In Aachen konnte beispielsweise die Kirche St. Elisabeth nach ihrer Entweihung zum deutschlandweit ersten Co-Working-Space in einem Kirchenschiff umgebaut werden, und der Stadtpalais T75 wird seit der Sanierung vom Käte Hamburger Kolleg der RWTH Aachen genutzt. In Dortmund wurde das denkmalgeschützte Gesundheitshaus neu belebt, und in Bochum hat das alte O-Werk nicht nur eine Runderneuerung bekommen, sondern auch einen Campus, der weitere Nutzungsmöglichkeiten eröffnet. Aktuell befinden sich zudem die Villa Amalia in Wuppertal und das Gebäude am Theaterplatz 1 in Aachen bei uns in der Entwicklung.

Auch bei Wohnraum setzen wir auf Erhalt statt Neubau: so wird aktuell die Waldmarke im Aachener Preuswald entkernt und saniert, um die Bausubstanz zu erhalten und das Gebäude wieder erstrahlen zu lassen. Wenn es ums Wohnen geht, gibt es jedoch noch andere Konzepte, die die Umweltbilanz positiv beeinflussen können, allen voran das Co-Living. Viele Berufe erfordern es, dass man zeitweise an verschiedenen Orten tätig ist. Ob Gastwissenschaftler:innen, die für ein oder zwei Semester in eine andere Stadt ziehen, oder Pendler:innen, die unter der Woche woanders leben als am Wochenende, sie alle sehen sich dem gleichen Problem gegenüber: sie brauchen temporär eine möblierte Wohnung, Infrastrukturen wie Arbeitsplatz, Internet und Fitnessstudio und möchten meist auch sozial Anschluss in der neuen Umgebung finden. Co-Living-Spaces bieten die Möglichkeit, verschieden große, fertig möblierte Zimmer / Apartments in Gebäuden zu mieten, in denen zudem Gemeinschaftsflächen genutzt werden können und die Community gefördert wird. So wird das soziale Miteinander gestärkt, während der Platzbedarf pro Kopf sinkt – was weniger Bedarf an Neubauten bedeutet. Deshalb fördern wir Co-Living-Konzepte, zum Beispiel mit unseren Studentenwohnheimen WE PARTMENTS am C.A.R.L. und am Elisengarten und mit unserer Schwesterfirma POHA House.

Natürlich widmen wir uns auch dem großen Thema der „grünen Architektur“. Wenn Gebäude von uns saniert werden, verbessern wir immer auch die Energieeffizienz, zum Beispiel durch bessere Dämmungen und Isolierungen, neue Heizungen und Fenster und den Einsatz von Solaranlagen. Bei Neubauten achten wir stets darauf, möglichst viel Grün bereitzustellen; das macht die Umgebung nicht nur schöner und für Menschen attraktiver, sondern bietet Lebensräume für Insekten und kühlt das Umfeld. Bei unseren Wohnquartieren wie dem Guten Freund oder den  Luisenhöfen gibt es deshalb grüne Höfe, Wiesen und Beete. Unser Düsseldorfer Projekt „Leben am Sonnenpark“, dass sich aktuell noch in der Entwicklung befindet, wird zudem eine komplett begrünte Dachfläche haben.

In Bezug auf Cradle-to-Cradle-Bauten haben wir mit unserer Schwesterfirma Moringa absolute Spezialisten in der Landmarken-Familie. Das Konzept ist hierzulande noch relativ neu – Moringa wird in Hamburg das erste C2C-Wohnhochhaus Deutschlands bauen. Dafür werden nicht nur fast ausschließlich recyclebare Materialien benutzt, sondern es wird sogar grüne Fläche gewonnen. Durch Fassaden- und Dachbegrünung entstehen mehr Quadratmeter Grün als die bebaute Grundstücksfläche. ecoPARKS, ebenfalls Teil der Landmarken-Familie, beschäftigt sich zudem mit nachhaltigen Konzepten speziell für Gewerbe- und Industrieimmobilien.

Zu guter Letzt setzen wir auch im Bereich Mobilität konsequent unsere Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit um. Bei unseren Wohnquartieren und Gewerbe- und Büroimmobilien achten wir auf eine gute Anbindung an den ÖPNV, wir stellen aber auch nachhaltige Mobilitätskonzepte bereit, die individueller nutzbar sind. E-Bike-Stationen, Fahrradgaragen und Car Sharing erlauben viel Flexibilität – und wenn es doch mal das Auto sein muss, dann können Elektroautos an den gebäudenahen Ladesäulen versorgt werden.

Jasmin Werker, Nachhaltigkeitsmanagerin

 

  • NABU. (o. J.). Fassadenbegrünung in der Stadt. Abgerufen 18. August 2022. Link
  • BMUV (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz). (2022). Nachhaltigkeit in der Baubranche: Eine Großbaustelle? Link
  • Schumm, A., & Probst, S. (2021). So geht Zukunft: Innovationen für die Umwelt. Link
  • Umweltbundesamt. (2018). Umweltatlas: Rohstoffentnahme Bauen. Link

 

Aktuelles zum Thema